Blog-Eintrag

Erhalten und Schützen der Lebensräume auf dem Terrain von Combe Prunde

11.12.2019

Die Ausgangslage

 

Combe Prunde war noch bis vor ca 40 Jahren ein Bauernhof mit Viehwirtschaft und Getreideanbau. Wenn jedoch heute ungefähr 50% (ca. 29ha) unseres Terrains einen Waldbestand oder mindestens einen lockeren Baumbestand aufweisen, waren es damals vielleicht 10-15% der gesamten Landfläche. Die über Jahrzehnte fehlende Beweidung führte unweigerlich zur Verwaldung der für Pflanzen und Tiere wertvollen Lebensräume wie Feuchtgebieten, Heidelandschaften und Blumenwiesen und begünstigte zusätzlich die starke Verbreitung des Adlerfarns auf einem grossen Teil des Terrains.

Bild: Waldzunahme 2004 zu 2019

 

Natürlich ist es für uns sowohl finanziell wie auch zeitlich unmöglich, die ganzen 57ha zu «restaurieren», also geht es darum, zusammen mit dem Conservatoire d’Espaces Naturels du Limousin die erhaltenswertesten Lebensräume zu bestimmen und die Projekte für die Restaurierung der Flächen zu planen und umzusetzen. Finanzielle Hilfe hierzu bietet uns die Europäische Naturschutz-Organisation Natura 2000, da sich unser Grundstück fast komplett im Perimeter der schützenswerten Zone «Landes et zones humides de la Haute-Vézère» befindet. Trotzdem bleiben einige hundert Tage an Arbeit zur Umsetzung der nicht finanzierten Projekte.

Es gibt im Wesentlichen drei Arten von Lebensräumen, die wir für das Überleben der reichen Biodiversität auf Combe Prunde erhalten und fördern wollen:

 

  • Feuchtwiesen und Torfmoore

  • Heidelandschaften und Blumenwiesen

  • Wälder

 

Natürlich sind auch die Bäche, Seen und Teiche wichtige Lebensräume auf Combe Prunde, hier sind jedoch nach dem Instandstellungsprojekt im Frühling 2019 (siehe Blog) die wichtigsten Massnahmen bereits umgesetzt.

 

 

Die folgende Karte zeigt unser Terrain mit den verschiedenen Lebensräumen.

 

Da die Lebensräume im Moment meist komplett überwachsen sind, geht es als erstes an die Restaurierung.

 

 

Die Restaurierung der Lebensräume

 

Feuchtwiesen und Torfmoore

Hier zeigt sich die Problematik vor allem in der zunehmenden Verwaldung und im unbändigen Wachstum des Pfeifengrases, welches über die Jahre von 40 bis zu 70cm hohe Wurzelstöcke aufgebaut hat.

 

Die Verwaldung führt mittelfristig zur Trockenlegung der Feuchtzone. Vor allem wasserliebende Birken und Weiden als Pionierpflanzen dieser Zonen entziehen dem Boden sehr viel Wasser. Auf der anderen Seite ist zu beachten, dass Weiden in den Feuchtzonen u.a. mit ihrem frühen Nektar- und Pollenangebot einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität beisteuern.

Insgesamt werden wir die Baumbestände in den Feuchtgebieten deutlich auslichten, einzelne Gruppen von Kiefern, Birken und Weiden oder markante solitäre Bäume werden wir jedoch bewusst stehen lassen.
Beim Pfeifengras werden die Calloways der Nachbarin die Restaurierung übernehmen, hier geht es nur darum, diese Pflanzen alle Jahre abzufressen, damit sich keine hohen Wurzelballen bilden. Die bestehenden Wurzelballen werden mit der Beweidung nach drei bis fünf Jahren nach und nach zerfallen und die Pflanze wächst wieder direkt auf dem Boden.
Damit wir jedoch beweiden können, müssen die Feuchtzonen eingezäunt werden, was die Errichtung von insgesamt ca. 3km an Zäunen auf zum Teil komplett überwachsenem Terrain bedeutet.

 

Es gilt zu erwähnen, dass gerade diese Feuchtgebiete nicht nur wertvolle Lebensräume sind, sondern künftig auch wieder begehrte Weiden sein werden, weil hier auch in den vermehrt trockenen Sommermonaten noch genügend Wasser für grünes Gras vorhanden ist. Leider haben viele Bauern in den letzten 50 Jahren viele dieser Gebiete mit Drainagen für die intensive Nutzung trockengelegt und so die Artenvielfalt und eine fast Wetter unabhängige Futterquelle für ihre Tiere zerstört.

 

Heidelandschaften und Blumenwiesen

Ähnlich wie bei den Feuchtwiesen breiten sich auch hier Pioniergehölze aus. Nebst äussert schnellwüchsigen Birken und Kiefern sind es hier vor allem Ginster, Faulbaum, Weissdorn, Wachholder und Eberesche, die die Landschaft bestimmen – und natürlich der Adlerfarn. Der Adlerfarn wird auf Combe Prunde bis zu 2m hoch und formt jedes Jahr eine dichte Decke über der bestehenden Vegetation. Auf lange Frist können sich weder Gräser noch das Heidekraut gegen den Adlerfarn behaupten.

 

 

Vor allem die Birken, Kiefern und Ginster werden wir bis auf kleine Gruppen roden. Ginster-Gruppen geben gute Verstecke für Kleintiere ab und Bäume sind für Vögel und Raubvögel, aber auch als natürlicher Wetterschutz für die Weidetiere nützlich. Wachholder, Weissdorn, Faulbaum und Eberesche sind für Insekten und Vögel wichtige Nahrungslieferanten – hier werden wir so viele wie möglich stehen und wachsen lassen.

Schwieriger ist der Umgang mit dem Adlerfarn. Beseitigen kann man den Farn nicht, er lebt bereits 60 Mio. Jahre auf der Erde und hat in dieser Zeit so manches überlebt! Zudem gehört er eben auch zur Natur auf dem Plateau de Millevaches. Der saure Boden gefällt ihm ausserordentlich gut!
Nach drei Jahren Erfahrungen mit mehrmaligem Mähen des Adlerfarns auf kleineren Flächen haben wir uns entschlossen, künftig auf das Quetschen der jungen Stengel mit einer Rolle zu setzen. Diese Methode scheint letztlich am effektivsten zu sein und sie schont die bestehende Flora. Mehr dazu später in einem separaten Blogbeitrag.

 

Wälder

Auf unserem ganzen Terrain hat es nur wenige wirkliche Waldstücke mit alten Bäumen. Es gibt einige mit wirklich alten Fichten und Tannen auch einige richtig alte, wunderschöne Buchen. Viele sind jedoch noch im Pionierstadium, auch wenn einzelne Bäume darin sicher 50-80 Jahre alt sind. Dies trifft vor allem auf die Kiefernbestände zu. Da spriessen jedoch unterdessen viele kleine (1-4m hohe) Buchen und Eichen - diese bilden dereinst die nächste Generation des Waldes – in 50-100 Jahren!