Blog-Eintrag

Restauration Heidelandschaft

18.2.2020

Im Blogbeitrag  "Erhalten und schützen der Lebensräume auf dem Terrain von Combe Prunde"  haben wir aufgezeigt, wie wir für die Restauration der Lebensräume vorgehen wollen. Im Winter 2019/2020 haben wir nun das erste, eigene Projekt dazu gestartet - die Restaurierung der grossen, zentral in unserem Terrain gelegenen Heidelandschaft.

 

 

 

Ausgangslage

Am meisten drängt die Restaurierung von freien Flächen (Heidelandschaften und Blumenwiesen), die bereits stark am Überwachsen sind. Hier sind Lebensräume für viele Vögel, Reptilien und Insekten in Gefahr. Deshalb haben wir uns entschieden, schnellstmöglich mit der Restauration der grossen Heidelandschaft zu beginnen.

 

Der Fokus liegt auf einer Fläche von ca. 6ha. Die Fläche ist zu ca. 40% bewachsen mit Heidekraut in verschiedenen Altersstadien. Das Adlerfarn nimmt jeweils von Ende Mai bis November über 85% der Gesamtfläche für sich ein. Nur wenige Flächen sind noch davon verschont geblieben.

Wie man auf dem Luftbild unten sieht, haben wir bereits in den letzten drei Jahren auf einem kleinen Teil der Fläche das Adlerfarn gemäht.

 

Projektfokus in orange

 

Die ganze Fläche befindet sich im ersten Stadium der Verwaldung und ist mit einigen hundert mehrjährigen Birken und Kiefern sowie Ginster-, Faulbaum-, Weissdorn- und Wacholder-Sträuchern bewachsen.

 

 

 

 

 

 

Arbeiten

Folgende Arbeiten haben wir im Verlauf dieses Winters umsetzen können:

  • Bodennah fällen der Bäume mit Stammdurchmesser > 5cm. Diese werden mit dem Mulchmäher nicht sauber abgeschnitten und es erzeugt zuviel Mulchmaterial, welches den Boden zu stark abdecken würde.

  • Mähen der gesamten Fläche mit dem Mulchmäher. Ziele:

    • Zerkleinern der zum Teil dicken Schicht Adlerfarn.

    • Schneiden und zerkleinern des unerwünschten Buschwerks (Ginster, Faulbaum)

    • Schneiden des Heidekrauts wo nötig.

  • Vorbereitung des Terrains für die Erstellung der Umzäunung

     

     

 

Was haben wir speziell beachtet?

Wir sind uns durchaus bewusst, dass mit der Restaurierung mindestens im Anfang auch Lebensraum zerstört wird. Um diesem Umstand etwas entgegen zu wirken, haben wir folgende Massnahmen umgesetzt:

 

 

Heide je nach Zustand mehr oder weniger stark schneiden/mähen.

  • Partien ohne Adlerfarn haben wir stehen lassen, ohne zu schneiden. Hier schauen wir, ob  die Beweidung durch Schafe künftig eine Verjüngung der Heide begünstigt. Hier wurde der Lebensraum nicht angetastet.

  • Partien mit wenig Adlerfarn, die noch nicht überaltert sind, wurden auf ca. 20-25cm geschnitten. Hier gilt es zu beobachten, ob das Heidekraut wieder austreibt.

  • Partien, wo das Adlerfarn dominiert und nur noch einzelne Triebe der Heide überlebt haben, wurden komplett (auf ca. 10cm) gemäht. Hier hoffen wir, dass sich die Heide mit der Beweidung gegen die Grasnarbe durchsetzen kann.

 

 

Für die Tierwelt wertvolle Büsche stehen lassen.

Dies betrifft hier vor allem den Weissdorn, den Wacholder und die hier ebenfalls heimische Stechpalme aber auch Partien mit Faulbaum. Da der Faulbaum sich extrem stark über unterirdische Wurzeln verbreitet, haben wir hier auch "Inseln" stehen gelassen, die künftig rundherum beweidet oder gar gemäht werden können.

 

 

 

Wilde "Inseln" stehen lassen, wo auch künftig alles weiter wachsen darf.

Diese Massnahme soll den Kleintieren auf den künftig sehr offenen Flächen Inseln anbieten, wo sie im Wildwuchs Schutz finden.

 

 

 

 

Asthaufen bilden

Viel Material der gefällten Bäume werden wir häckseln und wieder dem Boden zuführen (Wald und Wege). Einiges Material haben wir verwendet um Asthaufen zu bilden, die unten einen Hohlraum haben, wo sich Kleintiere verstecken können oder gar eine Behausung finden.

 

 

 

Totholzhaufen bilden

Bestehendes Totholz haben wir an Haufen gelegt. Diese Totholzhaufen bieten Millionen von Insekten und anschliessend auch vielen anderen Tieren Nahrung und Zuhause. Auch neu gesägtes Holz haben wir zum Teil aufgehäuft. Hier dauert es wohl noch ein wenig, bis es besiedelt wird.

 

 

 

Steinhaufen bilden

Gerade für Reptilien sind sonnig gelegene Steinhaufen ein Paradies! Beim Mähen sind wir auf viele grosse Steine gestossen, die wir im Verlauf des Jahres noch zu Steinhaufen zusammentragen wollen.

 

 

 

Das Resultat

Das Projekt hat auf dem Gelände erstaunliches bewirkt. Nun zieht sich eine zusammen-hängende, offene Parklandschaft durch das Zentrum unseres Terrains, wo bisher primär das Adlerfarn sichtbar war.

Bereits jetzt im Winter stellen wir eine verstärkte Präsenz von Raubvögeln fest, die nun aus ihrem Ansitz in den hohen Fichten und Kiefern einen deutlich besseren Überblick haben. 

Wir sind überzeugt, dass sich die Öffnung des Geländes auch auf die Biodiversität bei den Insekten positiv auswirkt und damit letztlich auf die gesamte Fauna.

Auch die bodennahen Pflanzen sollten künftig eine bessere Chance haben, sich zu entwickeln, hierzu mehr im nächsten Abschnitt.

 

 

 

 

Das Adlerfarn

Natürlich wird die offene Fläche nicht einfach so offen bleiben! Bereits im Mai stossen die jungen Triebe des Adlerfarns auf ca. 5 der 6 ha Fläche. Bis Ende Juni dann wird ein grosser Teil davon bereits 1m - 1.5m hoch sein und wird mit seinen grossen, mehrstufigen Blättern den Boden wieder komplett abdecken.

Wir versuchen seit drei Jahren auf einem Teil der Fläche das Adlerfarn mit Mähen zurückzudrängen. Der Erfolg lässt sich mit 2-3 mal mähen pro Jahr sehen. Das Farn treibt nur noch halb so hoch aus, die Dichte jedoch ändert sich kaum. 

Nun wollen wir neue Wege gehen. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Der Traktor mit dem Mulchmäher ist zu schwer, um damit 2-3 Mal im Jahr die ganze Fläche zu befahren. Das verdichtet den Boden zu stark und beschädigt grössere Pflanzen wie das Heidekraut zu stark.

  • Der Traktor hat einen zu hohen Kraftstoffverbrauch für grosse Flächen.

  • Das Heidekraut und die Grasnarbe werden beim Mähen ebenfalls geschnitten (die Höhe ist auf der unebenen Fläche schwer kontrollierbar)

  • Wenn das Adlerfarn geschnitten wird, treibt es unverzüglich wieder aus.

Neu wollen wir eine Bodenwalze mit stumpfen Klingen einsetzen, die beim Überrollen das Adlerfarn pro Halm mehrfach knickt resp. leicht beschädigt. 

 

Der leichte Überstand der Klingen (Flachstahlstreifen) bewirkt im Abrollen bei jeder Klinge einen leichten Schlag, welcher die Pflanze knickt.

 

Die Fläche muss 1-2 Mal pro Jahr bearbeitet werden, dies kann jedoch mit dem Quad oder evtl. später mit einem Pferd erfolgen. Der Quad ist mehr als 10-mal leichter als der Traktor und beschädigt den Boden und den Bewuchs deutlich weniger.

Das Farn liegt nach dem Rollen am Boden und die Heide sowie die Grasnarbe haben wieder bessere Chancen, sich zu entwickeln. Das Farn treibt so weniger neu aus, sondern versucht die verletzten Triebe zu retten und versorgt diese weiter oder gar stärker mit Saft.

Die Theorie besagt, dass die Rhizome so ihre Reserven stärker aufbrauchen und im nächsten Jahr weniger hoch und weniger dicht austreiben. Trotzdem rechnen wir mit 4-5 Jahren, bis ein deutliches Resultat sichtbar ist.

Ein Knackpunkt zum Rollen des Adlerfarns ist der Zeitpunkt. Die neuen Triebe sind bis zum 2-Blatt-Stadium sehr wässrig und brechen leicht. Dies ist jedoch zu vermeiden, da ein Bruch des Stengels dem Mähen gleich kommt. Ab dem 4-Blatt-Stadium wird der Stengel faserig und zäh. Es gilt also das 4-Blatt-Stadium abzuwarten und an mehreren Orten die konsistenz des Stengels zu prüfen, bevor die Fläche gerollt wird.

 

 

 

Weiteres Vorgehen

Als erstes werden wir versuchen, die riesigen Mengen an gefällten Bäumchen, die im Moment noch auf der Fläche liegen, zu verarbeiten. Die grösseren Durchmesser werden zu Brennholz und alles andere werden wir häckseln und zum Reparieren von Wegen verwenden oder im Wald verteilen.

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Danach sollten bis spätestens Ende Mai die Vorbereitungen für die mobilen Zäune abgeschlossen sein. Das heisst, alle Tor-, Eck- und Zwischenpfosten müssen gesetzt und mit Isolatoren ausgerüstet werden.

Ab Juni möchten wir die Weiden den Schafen übergeben, damit sie unter anderem all die abgeschnittenen Büsche und Bäume, die wieder austreiben, abfressen und so eine erneute Verwaldung verhindern.

 

Ob das alles klappt, bleibt abzuwarten. Die Natur ist nicht planbar!

 

Wir werden diesen Blog-Beitrag im Laufe der nächsten Monate und Jahre mit aktuellen Bildern und Resultaten updaten, um Leuten mit ähnlicher Aufgabenstellung eine Idee zu den Resultaten dieser Massnahmen zu geben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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