Blog-Post

 

2. Natura 2000-Restaurierungs-Projekt (Park 3)

Inhalt


Ausgangslage

Der Bachlauf Rebellier fliesst von Süden nach Norden in einem kleinen Tal quer durch unser Grundstück und versorgt die beiden Seen mit Wasser. Beim Eintritt in unser Grundstück, vor dem kleinen See, besteht eine Feuchtebene / ein Torfmoor. Durch diese Feuchtebene wird der kleine See alimentiert, ohne dass dazu ein expliziter Zulauf notwendig ist!

Beidseitig an den Hängen des Tals gibt es Heideflächen, die jedoch aufgrund der jahrelangen Absenz einer Beweidung zu einem grossen Teil von Adlerfarn und von Kiefern, Fichten und Birken überwachsen sind. Auch die Feuchtzone ist bereits dicht von Kiefern und Birken überwachsen. Die Bäume haben einen enormen Wasserbedarf und entziehen damit dem Torfmoor nach und nach das Wasser. Überlassen wir das Tal der Natur, wird das wertvolle Torfmoor mittelfristig komplett verwalden und austrocknen.

An der Grundstückgrenze in der südwestlichen Ecke dieses Gebietes steht ein vor ca. 30 Jahren in Reih und Glied zur Holzernte gepflanzter Fichtenwald von ca. 2200m2, welcher leider schlecht gepflegt wurde. Das Holz wird nie eine gute Qualität erlangen und als Wald ohne jeglichen Jungwuchs hat er auch für die Natur wenig Wert. Kommt dazu, dass gleich dahinter ca. 50ha Fichten- und Douglaswälder stehen (leider auch in Reih und Glied und ohne Jungwuchs).


Die Lage des beschriebenen Geländes und der Verlauf des Bachs auf unserem Grundstück:


Auf dem nächsten Luftbild sieht man gut die beginnende oder gar teilweise fortgeschrittene Verwaldung der Flächen. Ebenso kann man erkennen, dass dem Bach entlang ein Gürtel von Birken und Weiden gewachsen ist.


In der folgenden Galerie zeigen ein paar Fotos die Ausgangslage in echt:






Ziel

Wie schon öfters in unseren Blog-Beiträgen erwähnt geht es uns bei unserem Engagement darum, wertvolle, immer rarer werdende Lebensräume zu erhalten, respektive wenn nötig zu restaurieren. So können wir auf diese Lebensräume angewiesene Tier- und Pflanzenarten schützen oder gar neu ansiedeln.

Das Torfmoor des Bachlaufs Rebellier ist so ein wertvoller Lebensraum. Was in Jahrhunderten entstanden ist, kann ohne die richtige Pflege in zwei Jahrzehnten zerstört sein.


Sowohl das Torfmoor wie auch die Heideflächen einer Gesamtfläche von ca. 5.3ha sollen mit geeigneten Massnahmen restauriert werden. Anschliessend sollen die Lebensräume über eine konsequente, extensive Beweidung regeneriert werden, so dass sich hoffentlich die eine oder andere seltene Tier- oder Pflanzenart wieder in diesem Gebiet ansiedelt.



Projekt

Zusammen mit Olivier Villa vom Parc Naturel Régional Millevaches stellten wir die notwendigen Massnahmen zur Erreichung unseres Ziels zusammen und beantragten eine Finanzierung des Projektes über Natura 2000, welche glücklicherweise bewilligt wurde.

Wir möchten Olivier Villa einen grossen Dank für sein Engagement in unserem Projekt aussprechen. Ohne seine Erfahrung und sein Verhandlungsgeschick wären wir sicher weniger schnell vorwärts gekommen!





Massnahmen

Massnahme

Beschreibung

S1, S5, S8

Rodung der Kiefern in der Feuchtzone, Rodung von 3/4 der Fichten in der Hanglage südöstlich. komplette Rodung der Kiefern in der Heidefläche (S1 westlich und S5)

Ziele: Verbinden der "offenen" Landflächen für die Insekten, Verhindern der Verwaldung von Feuchtzone und Heidelandschaft

S2, S3, S7

Roden der Fichten und Kiefern bis auf einzelne, die vor allem für Raubvögel als Ansitz dienen sollen. Fräsen der Baumstümpfe

Ziele: Gewinnen einer offenen Fläche, welche das Mähen und damit reduzieren des Adlerfarns ermöglicht, Verbinden der "offenen" Landflächen für die Insekten

S4

Roden der Kiefern und Fichten bis auf eine kleine Baumgruppe

Ziel: Verbinden der "offenen" Landflächen für die Insekten

S6

Roden des kompletten Fichten-Bestandes

Ziel: Umwandlung des aus Sicht der Biodiversität relativ wertlosen Nutzwaldes in eine Heide-/ Trockenrasenfläche

Linie gelb

Erstellen eines Knotengitterzauns von 943m Länge

Linie rot

Erstellen eines Elektro Weidezauns von 261m Länge

P1-P5

Erstellen von Toren im Zaun. Teils einfache Tore mit elektrifizierten Drähten, teils verzinkte Stahltore

P6

Holzpassage über den Bach für die Weidetiere


Wichtig zu erwähnen ist, dass jegliche Bestände an Sträuchern und Bäumen, die einen hohen Nutzen für die Insekten und Vogelwelt haben, stehen bleiben. So zum Beispiel Vogelbeeren, Mehlbeeren, Faulbaum, Weiden und Stechpalmen.


Da eine Rodung dieser Grössenordnung auf konventionelle Art und Weise (manuell fällen, Transport mit Pferd oder Traktor) unbezahlbar wird, haben wir uns widerwillig darauf eingelassen dass diese mit einem Holzvollernter und einem Bagger mit Fällgreifer vorgenommen wird. Der Bagger verfügt über extrem breite Raupen und sollte sich so ohne zu grosse Landschäden auch in feuchteren Flächen bewegen können. Das Holz wird anschliessend mit einem riesigen Forstlader zum Lagerplatz gebracht.

Man muss sich im klaren sein, dass Maschinen mit Gewichten von 17 bis 35Tonnen auf weichen Waldböden massive und mittelfristig irreparable Schäden anrichten. Dies vor allem, wenn auf den Böden wieder Bäume gepflanzt werden sollen, die auf lockere Erde angewiesen sind, um ihr Feinwurzeln vollständig entwickeln zu können.

Bei uns sollen da, wo gerodet wird, keine Bäume mehr gepflanzt werden. Zusätzlich gibt es hier nur gerade eine 20cm-Schicht an Humus, darunter befindet sich ein Gemisch aus Sand und Granit, welches sich nicht komprimieren lässt. Welche Schäden die Maschinen letztlich verursachen und wie sie sich in der Folge auswirken, werde ich im Blog nach Abschluss des Projektes und in den Folgejahren dokumentieren.




Zeitplan

Geplant war, Anfang September 2021 mit dem Projekt zu starten und bis Ende Jahr das Projekt möglichst abzuschliessen.

Dieser Zeitplan ist nicht zufällig, ist es doch nur im Spätsommer mit absolut trockenen Böden möglich die Rodungs- und Abräumarbeiten vorzunehmen, vor allem natürlich in den Feuchtgebieten.




Finanzierung

Die Rodung erfolgt kostenlos, respektive wird mit dem Holz bezahlt, welches geschnitten wird. Da die Bäume eher wild gewachsen sind, ist es keine sehr gute Holzqualität. Ein Teil davon wird für Verpackungen / Paletten verkauft, der Rest wird als Energieholz gehäckselt.


Die Fräsung der Baumstümpfe, die Vorbereitung des Terrains für den Zaun und die Montage der Zäune beläuft sich auf Total ca. 22'000 Euro. Dieser Betrag wird von Natura 2000 zu 100% subventioniert.



Die Dienstleister

Wir haben uns für zwei mit dieser Art von Projekten gut vertrauten Dienstleistern entschieden. Beide haben schon mehrere Projekte in Zusammenarbeit mit dem PNR Millevaches realisiert.


Die Rodung und die Abräumarbeiten sowie das Fräsen der Baumstümpfe wird Fabrice Martinat mit seiner MAX Entreprise aus 23340 Pigerolles übernehmen.

Die ganzen Zaunarbeiten übernimmt David Thomas mit seinem Atelier Vert aus Meymac.




Realisierung

Rodung

Mitte September haben die Rodungsarbeiten trotz durchzogenem Wetter begonnen. MAX Entreprise arbeitet zu Beginn mit einem 17-Tonnen Bagger mit Fällgreifer. Der Bagger hat breite Raupen und kann sich so auch in Feuchtgebieten bewegen, ohne einzusinken und den Boden zu stark zu beschädigen. Zudem ist er für Birken, welche häufig mehrere Stämme haben und für dünne Kiefern, die zu Energieholz verwertet werden, die effizienteste Lösung.


Der Bagger bei der Arbeit:



Ca. Mitte Oktober begannen die Arbeiten mit dem sogenannten Harvester oder Holzvollernter. Die Maschine wiegt alleine ca. 20 Tonnen, ist 12m lang und kann praktisch in jedem noch so steilen Hang arbeiten.

Aufgrund des hohen Gewichts ist es unabdingbar, dass der Boden trocken ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit in der Feuchtzone auch mit wenig Wasser extrem heikel und eher zu vermeiden ist. Leider konnten wir es nicht komplett vermeiden, da teilweise die Kiefern bereits zu gross waren für den Bagger.


Die Fichten und Douglasien, welche dicker waren als 60 cm, müssen von Hand gefällt werden. Mit Hilfe des Harvester kann jedoch die Fällrichtung sehr einfach sichergestellt werden.


Der Harvester bei der Arbeit:



Nach den Rodungsarbeiten sieht man bereits, wie schön sich das Gelände öffnet. Aber es liegt noch sehr viel Holz, was vor der nächsten Regen- (oder Schnee-) Phase abtransportiert werden muss.


Hier einige Bilder dazu:



Abtransport

Für den Abtransport der riesigen Holzmengen war uns das Wetter letztlich gnädig. Der Frost hat viel geholfen, damit die Schäden am Boden durch den enorm schweren Lader nicht zu stark beschädigt wurde. Das Holz wurde am Strassenrand auf unserem Terrain zwischengelagert. Die grösseren Stämme für den Verkauf, der ganze Rest wurde im März mittels eines grossen Häckslers für Energieholz direkt auf den LKW gehäckselt.


Leider wurde das abgeholzte Terrain nicht so sauber geräumt, dass das Mähen des Adlerfarns direkt mit dem Traktor möglich wäre. Zu viele dicke Äste liegen noch am Boden und das auf ca. 2 ha - nicht gerade eine Handarbeit, die im Nebenbei zu machen wäre!




Hier noch ein Video zum Häcksler:



Erstellung der Zäune

Insgesamt wurden für den Park 3 ca. 1.2 km Zaun aufgebaut. Als Zaun auf der Grundstücksgrenze verwenden wir Knotengitter mit einem Elektrodraht 20cm über dem Gitter (insgesamt ca, 1 m). Das Knotengitter hält auch Störenfriede von aussen ab (vor allem Jagdhunde). Das Wild hat mit den niederen Zäunen eher wenig Probleme, wobei uns bewusst ist, dass es Füchse, Dachse und Hasen durchaus behindert, diese finden jedoch meist eine Senke im Gelände, wo sie durchschlüpfen können.


Die Erstellung eines Zaun in der "Wildnis" ist immer ein wenig eine Herausforderung. Wir sagen im Pflichtenheft immer, es sollten auf beiden Seiten des Zauns 1.5m sauber geräumt sein, doch leider klappt es praktisch nie, da es eine Riesenarbeit ist, sei es im Unterholz oder in der Feuchtzone, wo selbst das Gehen schwierig ist, geschweige denn die Bodenbearbeitung.

Die Konsequenz ist, dass der Unterhalt für den Zaun enorm erschwert wird, weil viele Büsche auf der Zaunlinie nicht komplett entfernt werden oder Baumstümpfe nicht tief genug gefräst werden. Für den nächsten Park ist klar, ein Forstmulcher muss vorgängig die Zaunlinie säubern, so dass allenfalls ein maschineller Unterhalt möglich wird.


Ein paar Bilder von den Zäunen:




Fazit

Wir sind glücklich, dass ein weiteres grosses Stück unseres Grundstücks eingezäunt werden konnte und damit der Erhalt der überaus wertvollen Lebensräume möglich wird.

Dieses Projekt wurde mit sehr grossen Maschinen umgesetzt. Die sichtbaren Schäden am Boden hielten sich dank guten Wetterbedingungen in Grenzen. Trotzdem gibt es Stellen, wo wir im Laufe des Jahres mit unserem Minibagger die tiefen Spuren werden ausbessern müssen. Welchen Einfluss der Einsatz grosser Maschinen und die damit zweifellos erfolgte Kompression des Bodens hat, bleibt abzuwarten. Das werden wir in ein paar Jahren am Bewuchs sehen.

Tatsache ist, dass solche Projekte ohne eben diese Maschinen nicht mehr umgesetzt werden können, weil sie schlicht unbezahlbar werden. Da stellt man sich die Frage, was ist nun schlimmer, die Lebensräume (Torfmoore und Heideflächen) verwalden und kaputt gehen lassen oder den Boden komprimieren?

Ich weiss es ehrlich gesagt nicht!



Video der ersten Beweidung im Juli 2022