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Adlerfarn Bekämpfung

Allgemeines

Bekämpfen oder nicht?

Methoden der Bekämpfung

Bisheriger Erfolg




Allgemeines

Ca. 40% der Fläche unseres Terrains ist von Adlerfarn überwachsen. Adlerfarn existiert seit Millionen von Jahren, ist hoch anpassungsfähig und breitet sich auf Wiesen, Feuchtwiesen und lichten Waldflächen über Rhizome wie auch über Sporen aus. Die Verbreitung erfolgt vorwiegend auf leicht bis stark sauren Böden. Das Farn wächst ab Mitte April bei uns teilweise bis über 2 Meter hoch. Es entsteht ein dichter Wald an Farnwedeln, welcher wenig Licht für andere Pflanzen passieren lässt. Im Herbst mit dem ersten Frost stirbt der oberirdische Teil der Pflanze ab und wird braun. Mit dem Schnee werden die Pflanzen jedes Jahr zu einer dichten Schicht an organischem Material gepresst, welche kein Licht auf den Boden lässt und damit die frühe Vegetation mit Gräsern im Frühling verhindert. Die gesamte Pflanze ist giftig.





Bekämpfen oder nicht?

Auch das Adlerfarn ist Teil der Natur und hat durchaus aus ästhetischer Sicht seine schöne Seite, wie alle Farne. Jedoch gibt es wenig Insekten zu beobachten, die sich auf dem Adlerfarn niederlassen - mehrheitlich vermutlich, weil es eine höhergewachsene Pflanze ist und nicht aus futter- oder vermehrungstechnischen Gründen.


Zumindest für uns sichtbare Vorteile für die Natur hat das Adlerfarn wenige. Nachteile jedoch schon. Da wäre einmal die Verhinderung des Bewuchses mit Gräsern oder Blumen, was wiederum für die Insekten wichtig wäre. Weiter ist das Farn häufig so dicht, dass die Raubvögel wegbleiben, weil sie ihre Beute schlecht sehen und durch die hohen Wedel beim Zugriff behindert sind. Auch andere (zum Beispiel bodenbrütende Vogelarten) meiden das Adlerfarn eher.

Zusätzlich ist eine Beweidung der Flächen nur sinnvoll, wenn zwischen dem Farn mindestens eine Grasnarbe entstehen kann. So ist eine frühe Beweidung im Mai/Juni mit erfahrenen Tieren, die die Giftigkeit des Adlerfarns kennen, gut möglich.


Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er in den Verlauf der Natur eingreifen will, um eine oder mehrere Spezies oder gar sich selber (Beweidung) zu bevorteilen.

Wir haben für uns entschieden, dass wir auf den restaurierten, offenen Flächen mit Heide das Adlerfarn einzudämmen versuchen. Zu Gunsten einer vielseitigen Vegetation mit Gräsern, Bodendeckern und Blumen, die wiederum Insekten und damit auch Vögel anziehen. Auch Raubvögel sollten mit dieser Massnahme wieder mehr auf Combe Prunde anzutreffen sein.

Die Beweidung hat für uns keine Priorität und ist eher ein Mittel zum Zweck, um eine erneute, beginnende Verwaldung zu verhindern.



Methoden der Bekämpfung

Wo Adlerfarn wächst, ist dieses nicht wegzukriegen, ausser man trägt die oberste Bodenschicht (30-40 cm) komplett ab - das ist ein Fakt. Die fingerdicken, dichten Rhizom-Netze sind äusserst leistungsfähig und bringen unermüdlich für jeden abgeschnittene Wedel einen neuen an die Oberfläche.


Die natürlichen Methoden sind im Wesentlichen:


Mähen Dies heisst bei uns Mulchen. Die Wedel werden abgeschnitten und gemulcht. Vorteil: Das Farn ist weg und die übrige Vegetation hat freie Bahn zum Wachsen (für ein paar Wochen). Die Schnitthöhe kann angepasst werden. Z.B. In Heideflächen kann nur über die Spitzen der Heide geschnitten werden. Dies verjüngt zusätzlich die Heide. Nachteil: Bodenbelastung, Kraftstoffverbrauch



Die braune Fläche ist frisch gemäht. Das Material ist gemulcht, es liegt aber eine dicke Schicht alter Adlerfarnreste, welche erst nach 2-3 Jahren restlos weg ist. Keine Grasnarbe, nur Moos vorhanden



Rollen Mit einer 1.6m breiten Rolle mit scharfkantigen waagerechten Stahlblättern, die die Stängel des Adlerfarns zu Boden drücken und mehrmals brechen. Vorteil: Die geknickte Pflanze wird weiter mit Energie versorgt und schwächt so das Rhizom. Weniger Kraftstoffverbrauch Nachteil: Die am Boden liegenden Farne bedecken den Boden und hemmen das Wachstum der übrigen Vegetation. Funktioniert nur kurz nach dem 4-Blatt-Stadium und nur bei mind. 80-100cm hohem Farn. Ist das Farn kleiner, bleibt ein hoher Prozentsatz unbehelligt stehen.



Nach dem Rollen liegt natürlich das Farn mehrfach geknickt am Boden. Ende Jahr werden die Reste gemulcht.


Von Hand niederschlagen oder ausziehen Vorteil: Richtet am Boden und an der Vegetation praktisch keinen Schaden an. Nachteil: Nicht für grosse Flächen anwendbar. Ergibt Unmengen an Grünmaterial (giftig!)



Rund um die Bienenhäuser schlagen wir jeden 2. - 3. Tag die Farne von Hand mit einem Stock zu Boden. Man sieht auf dem Foto gut die Stängel, die stehen bleiben. Das ist die Sisyphus-Arbeit!

Auch in der schönen gesunden Heide auf kleineren Flächen ziehen wir die Adlerfarne von Hand aus.




Welche Methode zum Zug kommt, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Wuchshöhe des Adlerfarns

  • Dichte des Adlerfarns

  • Stadium des Adlerfarns (2-, 4- 6-Blatt Stadium)

  • Bewuchs der Adlerfarnfläche mit Gras und vor allem Blumen

  • Fortpflanzungszeitpunkt der tierischen Bewohner (Eidechsen, Schlangen, Vögel, Insekten)

  • Wetterlage

Bei der Wahl der Methode sollten auch folgende Punkte beachtet werden:

  • Bodenbelastung durch schwere Maschinen (Traktor)

  • Insekten und Reptilien sterben durch Mulcher

  • Mähtiefe

  • Kraftstoffverbrauch

In den ersten drei Jahren haben wir primär gemäht, nun haben wir uns ein Rouleau brise fougère (Adlerfarn-Rolle) angeschafft. Dieses ist sehr effektiv bei Flächen, die frisch behandelt werden.



Bisheriger Erfolg

In den ersten drei Jahren haben wir ein Fläche von ca. 2ha dreimal pro Jahr (jeweils Ende Juni, Ende Juli, Mitte September) gemäht. Auf dieser Fläche wuchs das Adlerfarn im vierten Jahr statt auf 1.80m nur noch auf ca. 60-80cm. Unter dem Farn hat sich eine solide Magerwiesen-Grasnarbe mit einigen Bodendecker Stauden gebildet.



Links behandelt, rechts unbehandelt. Man sieht, dass sich das Farn nach mehrfachem Schneiden viel früher öffnet und so bereits früh ein Stadium erreicht, wo das Rhizom Energie ziehen kann. Die Blätter bleiben so aber kleiner und nehmen dem Boden weniger Licht.




Juni 2019, kurz vor der Beweidung. Es hat sich eine recht kompakte Grasnarbe gebildet, teils sogar schon mit ersten Blumen. Das Farn öffnet früh die Blätter und bleibt relativ niedrig. Dies ist der angestrebte Zustand. Wie gesagt, das Farn zu eliminieren ist meiner Meinung nach unmöglich!



Im 2020 wuchs die zu behandelnde Fläche aufgrund von neuen restaurierten Flächen auf ca. 8ha an. Aufgrund der vorgezogenen Beweidung im Mai/Juni hat sich die Behandlung leicht verzögert. Ein Teil wurde mit dem Rouleau behandelt (2ha), ein Teil musste nicht behandelt werden, da das Adlerfarn nur ca. 40-60cm hoch war und nicht sehr dicht.

In allen Jahren wurde Mitte September die ganze Fläche gemulcht. Dies garantiert, dass nicht abgeweidete Pflanzen auch geschnitten werden und nicht überhand nehmen. Zusätzlich sind die Adlerfarn-Reste vom Rollen so auch gemulcht und das Gras kann im nächsten Jahr frei vom Behinderung wachsen.