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  • Urs

Neues Dach für das kleine Blockhaus

In diesem Projekt geht darum, das Dach für das Mini-Blockhaus am kleinen See zu ersetzen, welches von den Vorbesitzern nie richtig fertiggestellt worden ist und welches unterdessen im Zerfall ist. Wir möchten ohne zu grosse Investitionen verhindern, dass das ganze Chalet grösseren Schaden nimmt, weil das Dach leckt.


Wir wollen das Blockhaus anschliessend ausbauen und im Sommer und allenfalls in den Übergangszeiten als Ferienhaus vermieten. Ohne Strom und fliessendes Wasser und in einer unglaublich idyllischen Lage spricht es eher Gäste an, die mal eine Woche echt "disconnected" leben möchten.


Der Beitrag beschreibt detailliert, wie wir das Projekt angegangen sind und welche Erfahrungen wir gemacht haben. Wir sind aber keine Fachleute!

Für normale Leser dürfte der Beitrag zu ausführlich sein!



Eigentlich wollten wir ein Holzschindel-Dach oder ähnlich bauen, was gut zum Blockhausstil passen würde. Leider war dies aber aufgrund der Kosten nicht möglich (Materialkosten ca. 2.5x höher), darum entschieden wir uns für eine Eindeckung mit Trapezblech.

Auch selber bauen war anfangs kein Thema, da doch für eine Dachkonstruktion so einiges zu berücksichtigen ist und wir noch nie ein Dach gebaut haben. Doch als wir ein Angebot über 7000 Euro für ein nicht isoliertes Dach erhielten, begannen wir mit der Recherche für den Eigenbau.



Anforderungen

  • Das Dach soll für mindestens 40 Jahre halten und dicht sein.

  • Im Chaletdach wohnen aktuell ca. 10-20 Fledermäuse. Ziel ist es, im neuen Dach wiederum Öffnungen und Hohlräume zu belassen, damit die Fledermäuse wieder einziehen.

  • Damit das Blockhaus auch in den Übergangszeiten bewohnt werden kann, braucht es eine minimale Dachisolation. Diese soll auch das Trommeln auf dem Blechdach bei Regen etwas dämpfen.

  • Die bestehenden Dach-Rundbalken sollen genutzt werden, obschon diese alles andere als gerade sind. Ein Ersatz wäre mit der Blockhaus-Bauart zu aufwendig. Zusätzlich ist das aktuelle Dach nicht winklig konstruiert. wir brauchen also eine Dacheindeckung, die diese Vorgaben toleriert.

  • Der Kamindurchführung soll professionell ausgeführt sein, da das Haus vermietet wird.

  • Das gesamte Dach soll nicht mehr als 3000 Euro kosten.


Die Planung

Nach langen Recherchen haben wir uns für ein Kaltdach entschieden. Das Kaltdach verfügt zwischen Isolation und Dacheindeckung über eine Luftschicht. Die Luftschicht ist einerseits eine zusätzliche Isolationsschicht, hilft aber vor allem, die Unterseite der Trapezbleche durch die Luftzirkulation trocken zu halten, respektive abzutrocknen, wenn diese durch Kondensation nass wird.


Die Konstruktion sieht in etwa so aus:



Die wichtigsten Knackpunkte bei der Planung:

  • Die Wahl der Querschnitte Hier recherchierten wir viel im Internet entschieden uns für eine vernünftige Variante aus den gefundenen Lösungen, welche auch die grossen Schneelasten berücksichtigt, die bei uns anfallen können.

  • Nageln oder Schrauben? Wer bereits viel an Gebäuden, Zäunen etc. renoviert hat, der weiss, wiewenig Freude beim demontieren von genagelten Bauten aufkommt! Meist geht dabei alles kaputt, auch das was noch brauchbar gewesen wäre. Aber auch galvanisierte Schrauben machen nach 20 Jahren keine Freude mehr, da sie meist komplett verrostet sind (häufig auch im Innenbereich). Die einzige, einigermassen nachhaltige Lösung sind für mich Inox-Schrauben mit Torx-Antrieb. Mag sein, dass das verrückt ist, aber die Inox-Schrauben machen gerade mal 5% der Gesamt-Kosten aus, das ist es mir Wert!

  • Wie weit seitlich hinunter wird das Unterdach gezogen? Es gibt keinen stichhaltigen Grund, das Unterdach seitlich über die Wände hinaus zu ziehen. Trotzdem entschieden wir uns aus ästhetischen Gründen dafür, sie mindestens auf die Aussenkante der Rundbohlen von Front und Rückwand zu ziehen.

  • Welche Art Isolation setzen wir ein? Wir wollten das Dach so diffusionsoffen wie möglich gestalten, darum entschieden wir uns für Holzfaser-Dämmmatten von Steico/Isonat.

  • Wie schützen wir die Isolation vor Feuchtigkeit/Wasser? Anstelle der normalerweise eingesetzten Unterdachbahnen haben wir uns für eine Holzfaser Unterdeckplatte von Steico entschieden. Diese bietet mit 3.5cm relativ stark verdichteten Holzfasern zusätzliche Isolation schützt das Unterdach zuverlässig vor Nässe.

  • Wie lösen wir die Untersicht beim seitlichen Vordach? Erst wollten wir die Unterdeckplatten seitlich bis ans Ende der Sparren ziehen. So hätte man jedoch die Untersicht unter die Sparren montieren müssen, was nicht sehr schön wäre. Wir entschieden, eine Bahn Unterdeckplatten weniger zu verlegen und statt dessen den untersten Teil mit Brettern zu belegen. So ergibt sich eine schöne Untersicht.

  • Wie muss die Rauchrohrhalterung montiert werden, damit die Halterung in der Höhe Platz hat? Die Rauchrohrhalterung hat eine Höhe von ca. 15 cm. Montieren wir sie auf der Unterdeckplatten, fehlen uns immer noch ca. 8mm. Wir werden also die Halterung etwas kürzen müssen, damit sie passt.

  • Sind besondere Vorkehrungen für die Montage von Trapezblech mit 13.5° Dachneigung notwendig? Nein, waren sie nicht. Einerseits lagen wir über den 7-10°, wo bei geringerer Dachneigung Dichtbänder und breitere Stösse angewendet werden, andererseits haben wir die Trapezbleche auf Länge bestellt, das heisst bei uns gibt es keinen horizontalen Stoss.


Dachaufbau



Realisierung

Abriss altes Dach

Der Abriss gestaltete sich relativ simpel, da das Material praktisch alles für die Entsorgung bestimmt war. Einzig einige noch intakte Bretter haben wir für die spätere Wiederverwendung von den Nägeln befreit und behalten.


Wir wussten ja, dass Fledermäuse im Chalet ihr Quartier haben. Die grösste Überraschung war, dass sich die Fledermäuse zum Teil zwischen dem Unterdach und der Bitumenlage eingenistet hatten, was möglich war, weil die Lagen nicht sauber verlegt und befestigt waren. Ein Teil der Fledermäuse war auch in den Hohlräumen zwischen Wand und Dach.

Die Fledermäuse sind bei Tag und frisch aus dem Schlaf gerissen nicht sehr flugfreudig und wir mussten ihnen einige Zeit lassen, bis sie sich Richtung Wald aufgemacht haben.




Höhenausgleich

Bereits beim alten Dach sah man gut, dass die Dachbalken ziemlich ungleichmässig hoch waren, keine saubere Ebene ergaben und auch nicht winklig waren.

Mit Hobeln konnten wir die höchsten Punkte des Firstbalkens 1-3cm absenken, was immer noch keinen geraden Balken ergab, aber immerhin bereits besser aussah. Bei den übrigen Balken war ein Ausnivellieren der Krümmung kaum möglich.

Die Höhe der mittleren und unteren Balken zum Firstbalken glichen wir mit dünnen Latten so gut als möglich aus. So erreichten wir, dass die Balken pro Dachfläche einigermassen eine Fläche ergaben. Zwischen Balken auf den Aussenwänden und Ausgleichslatten legten wir immer eine Schicht Holzfaser-Dämmmaterial, damit dort später keine Luft eintritt.

Bei einem Balken war am Ende der obere Teil komplett Morsch. Da schnitten wir oben eine Scheibe ab und montierten ein dickes Brett bündig mit der Höhe des weiteren Balkenverlaufs (siehe auch Foto).




Unterdach / Blockhausdecke

Nun war die erste Dachschicht, das Holz für das Unterdach an der Reihe.

Material: Fichtenbretter 27mm x 140mm, 3m lang gehobelt und mit Wechselfalz


Das Unterdach dient gleichzeitig als Decke im Innern des Blockhauses. Hier haben Fichte gewählt, da diese deutlich heller ist als Douglasie.

Die fünf Dachbalken, die das Dach tragen waren weder parallel verlegt, noch standen sie überall gleichviel über. Darum mussten wir als erstes sicherstellen, dass das Unterdach genau winklig zur First verlegt wird.

Dazu haben wir erst die Mitte des First-Rundbalkens bestimmt und angezeichnet. Anschliessend bestimmten wir mit dem Laser einen rechten Winkel auf beiden Dachseiten zur ersten Latte des Unterdachs. Diese haben wir so weit auf den Balken nach aussen versetzt, dass unter Einhaltung des rechten Winkels die Latte praktisch bündig war mit dem kürzesten Balken. Den Überstand der übrigen Balken sägten wir später mit der Motorsäge ab.

Damit die Latten immer schön mittig auf dem Firstbalken (welcher ja rund und ungleichmässig ist) angelegt wurden, montierten wir eine 3m-Alumesslatte mit Schraubzwingen auf dem Balken. So konnten wir die Latten jeweils an die Messlatte anstossen und waren sicher, dass wir eine gerade First (so gut als möglich!) produzierten.


Die Latten haben wir in voller Länge montiert und nach Abschluss mit der Handkreissäge (winklig!) auf die gewünschte Länge abgeschnitten. Auf den Bildern sieht man gut, dass die krummen Rundbalken auch eher eine bewegte Dachfläche ergeben, als eine gerade!

Am Abend deckten wir das Dach, die Maschinen und das Holz jeweils mit einer Plane ab, da im August bei uns auf 900m der Morgentau sonst alles durchnässt.



Sparren / Abschluss Unterdach / Kamindurchführung vorbereiten

Material: Kantholz Douglasie, 60mm x 80mm, 3.6m lang sägeroh


Die Sparren legten wir bündig mit dem Unterdach beginnend von hinten nach vorne, wobei der erste Sparren ganz am Dachrand und der zweite über der Aussenwand plaziert sind. Für die weiteren Sparren über dem Innenraum ergibt sich der Sparrenabstand durch die Breite der Isolationsmatten = 60cm. Wir entschieden uns für 59cm, da so die Isolationsmatten schön geklemmt werden können und sicher keine Luftspalten zwischen Isolationsmaterial und Sparren entstehen.

Die Sparren haben wir zu Beginn auf die Länge gesägt, für die First auf der einen Seite im korrekten Winkel schräg angesägt (bei uns 13.5°) und auf der anderen Seite über 20cm auf ca. 2/3 der Sparrendicke verjüngt. Diese Verjüngung nimmt dem Dach in der Ansicht etwas "Gewicht", erstaunlich, was dies ausmacht! Da bei unserem Blockhaus die Dachkante sehr tief liegt, gibt es zusätzlich 2.5cm Höhe unter Dach.

Die Sparren verschraubten wir in die Rundbalken. Vorbohren ist immer dann sinnvoll, wenn das zu verschraubende Teil dicker ist, als der gewindefreie Teil der Schraube.


Auch dem vierten Foto sieht man, dass an der First die Sparren zum Teil deutlich nicht bündig abschliessen. Dies war durch den ungleichmässigen Firstbalken gegeben (eine Dachseite höher als die andere) und wir hofften, dass uns dies später keine Probleme macht (siehe Trapezbleche).


Beidseitig an der Unterkante des Unterdachs zwischen die Sparren passen wir kurze Sparrenstücke ein, um den Bereich für die Isolation zu verschliessen (siehe auch Bild). Diese Sparrenstücke verschraubten wir von unten durch die Latten des Unterdachs, was diese deutlich besser auf Linie gebracht hat.



Für die Kamindurchführung haben wir uns entschieden, die Brandschutzvorschriften sauber einzuhalten, da das Haus dereinst vermietet wird. Ein Kamin mit korrekter Dachdurchführung kostet leider einiges, aber das war es uns wert. Hier gilt es vor allem die vorgegebenen Abstände vom Rauchrohr zu brennbarem Material einzuhalten. Diese sind je nach Land abzuklären.


Achtung! Einigermassen mittig über der Kamindurchführung müsste später eine Rippe des Trapezbleches liegen, damit die Rohrmanschette über der Rippe montiert werden kann und das Dachwasser beidseitig der Manschette problemlos abläuft. Dies müsste also bereits zu beginn mit der Dachplanung festgelegt werden. Leider haben wir das zu spät realisiert!


Wo die Kamindurchführung geplant war, haben wir die Sparren unterbrochen und die Kamindurchführung komplett mit Sparrenteilstücken umrandet. Damit das Unterdach trotz Ausschnitt immer noch stabil ist, führten wir die zwei horizontalen Kanthölzer bis an die Nachbarsparren und verschraubten diese gut zusammen. Auch die Unterdach Bretter haben wir von unten in den Rahmen versch